Montag, 26. November 2007

Guadalajara

Ihr fragt euch vielleicht schon länger wo denn der Beitrag zu Guadalajara bleibt und ob er denn überhaupt noch folgt?! Bisher haben wir das immer hinausgezögert, da es einer unserer größten Aufenthalte war und somit auch eine Menge harter Arbeit diesen online zu stellenJ Und jetzt müssen wir uns erst mal ganz arg bei Saidé und ihrer Familie entschuldigen, dass es so lange gedauert hat. Wir haben die Tage während unseres Besuchs im Hause Caldera Reveles enormste Gastfreundschaft genossen. Dies fing somit an, dass Mama Saidé sich 5 Tage im Wohnzimmer auf dem Sofa einquartierte und uns ihr Schlafzimmer überließ – echt der Wahnsinn, auch wenn wir das eigentlich nicht so gerne wollten. Zum Haus ist noch zu sagen, dass es sich in einer etwas ärmeren Gegend liegt und es ursprünglich nur drei Zimmer hatte (Küche und Wohnzimmer zählen auch!) und nach und nach mit der Zeit und wenn wieder etwas Geld verfügbar war erweitert, bis es heute schließlich ein wirklich nettes kleines Haus ist. Die Strasse, die vorbei führt wurde erst vor einigen Jahren gepflastert und wenn man einige Straßenzüge weiter hügelaufwärts geht, gibt es diese dort noch nicht, da unter anderem auch eine Beteiligung der Anwohner erforderlich war. Noch weiter oben – und weiter oben steht in diesem Fall auch für ärmer – gibt es seit kurzem ein neues Kanalsystem für das Abwasser. Wir mussten schon kurz schlucken, wobei es sich nicht um die ärmsten Gegenden handelt. Von diesem Hügel („cerro“) aus hat man eine wunderbare Aussicht über die zweitgrößte Stadt Mexikos: Häuser soweit das Auge reicht.

Weiter haben wir nicht nur das Leben in einer richtigen mexikanischen Familie mitbekommen, also nicht in einer aus Monterrey, San Pedro à la mein Haus, mein Auto, mein Boot, sondern sind noch zusätzlich mit den besten regionalen Spezialitäten (Guadalajara) bekocht und verwöhnt worden. Wir haben sowohl sprachlich als auch kulturell sehr viel gelernt in dieser knappen Woche. Hier ein kurzer Abriss der Leckereien: chilaquiles, albondigas, tortas ahogadas, jicama, cacahuates japoneses.

Nun noch eine kurze Beschreibung, was wir die ganzen Tage so gemacht haben natürlich, wie soll es anders sein: sehr deutsch und deshalb in chronologischer Reihenfolge :-)

Freitag:
Die Erinnerung kommt, langsam und träge, deshalb alles in der Kurzfassung. Zuerst, wie schon beschrieben, sind wir auf den Hügel um die Aussicht über Zopapan (die Stadt bzw. Stadtteil in der Saidé’s Familie lebt) und Guadalajara zu genießen. Den Nachmittag haben wir dann in der wirklich sehr schönen Innenstadt verbracht und uns das Teatro und den Palacio de Gobierno mit seinen Fresken angesehen.

Um an diese kulturellen Highlights anzuknüpfen sind wir anschließend – natürlich ins Wachsmuseum und haben Zapata und Pancho Villa die Hand geschüttelt. Abends dann an die Wallstreet oder besser hinein um den Tag mit Molotov und Cocktails ausklingen zu lassen.


Samstag:
Am frühen nächsten Morgen standen die Aktienkurse dagegen nicht ganz so gut. Dennoch sind wir auf den Tiangis de las culturas – ein alternativer und großer Markt auf dem Mensch sich so alles mögliche kaufen kann – was wir dann natürlich auch gemacht haben!

An diesem Samstag war übrigens noch „el Grito (de la independencia)“ – der größte Nationalfeiertag in Mexiko. Ganz nach Hidalgo versammeln sich die Menschen auf allen möglichen Plätzen der Stadt und warten auf eine Live-Übertragung des Präsidenten, sei man nicht gerade in Mexiko Stadt, um dann zusammen: Mexicanos, viva México! zu rufen.

Dies am besten mit Sombrero, Bigote (Schnurrbart), und „Viva México Cabrones!“ Tattoo auf dem Arm. In Guadalajara jedenfalls war die gesamte Innenstadt komplett voll und an den zentralen Plätzen gab es spezielle Beleuchtung, Feuerwerk, sehr viele Stände etc. pp. Ein bisschen wie ein mexikanisches Sylvester.

Sonntag:
Am nächsten Tag ging’s dann auf den Markt in Tonalá – einer der wohl bekanntesten und traditionsreichsten. Hier ist das meiste noch Handgemacht und wird zu sehr fairen Preisen verkauft – sehr geiles Ambiente.

Montag:
Frisch ausgeruht und mit großer Vorfreude haben wir uns dann mehr oder weniger früh morgens mit dem Auto von Saidé’s Familie auf den Weg nach Tequila gemacht. Ja genau – die Stadt wo der leckere Agavensaft original herkommt. Übrigens gibt es so einige Voraussetzungen die so ein Tequila erfüllen muss, bevor er dann schließlich Tequila heißen darf. Zum einen kann er nur aus dem Herz aus einer der 136 verschiedenen Agavenarten, der Agave azul (blaue Agave), gewonnen werden.

Dieses wiegt bei der Ernte schlappe 50 Kilogramm. Zum anderen muss diese Agave im Estado (Staat oder eben Bundesland) Jalisco stehen, bzw. geerntet werden. Tequila wird zwei mal destilliert, bei nur einer Destillation heißt der Schnaps Mezcal und schmeckt genau so hart, wie er billig ist – Aspirin nicht inklusive! Bei sofortiger Abfüllung bleibt der Tequila farblos und schmeckt stärker => weißer Tequila. Bei einer Reifung in einem Fass von ca. 8 Monaten heißt er „reposado“ und hat eine goldene Farbe. Nach 2 Jahren Reifung heißt er dann „anejo“ und ist bräunlich – sehr sehr lecker, aber auch teuer. Weiter sollte 100% des Zuckers aus der Agave stammten – Tequila darf sich das Getränk schon ab 60% nennen. So, jetzt könnt ihr mal nachprüfen, was für nen Fusel man in Deutschland so vertreibt – vom Geschmack ganz zu Schweigen.

Nebenbei ist Tequila eine wirklich schöne Stadt. Wir haben es trotz zwei Destillerie-Besichtigungen geschafft sie anzuschauen – und das obwohl wir einige „Caballitos“ benötigten bis wir den genauen Unterschied zwischen den feinen „reposadas“ und „anejos“ herausgefunden hatten.

Abend haben wir uns dann noch in der Innenstadt von Zopapan umgesehen und die Vorzüge des ein oder anderen Straßencafés bzw. -bars genossen, die es in Monterrey leider nicht gibt – oder ich habe sie nach einem halben Jahr intensiver Suche einfach noch nicht gefunden. Müssen wohl sehr underground sein.

Dienstag:
Am letzten Tag war nochmals die Innenstadt angesagt. Unter Anderem besuchten wir das berühmte Centro Cultural mit seiner Kapelle. Darin sind die berühmten Fresken zu sehen. Die wohl bekannteste davon trägt den Namen „hombre en fuego“ und wurde von Josés Clemente Orozco gemalt.

Als vorzeitiger Abschluss - was wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wussten – haben wir dann auf dem ebenfalls berühmten Plaza de los Mariachis noch ein Bierchen getrunken, nachdem wir zuvor noch durch die riesige Markthalle Guadalajara’s auf Raubzug nach Erdnüssen und allen Staffeln von „Desperate Housewives“ gezogen sind. Dies hat noch bis heute Nachwirkungen – also nicht das Bier sondern die DVD’s... Unser geplanter Besuch in der Kathedrale ist aufgrund sintflutartiger Regenfälle ausgefallen und wir mussten uns glücklich schätzen, nach Wat-Einlagen noch am Auto und schließlich am Flughafen pünktlich anzukommen.

War wirklich eine sehr geile Woche und eine geile Erfahrung. Vielen Dank nochmals Saidé. Grüße auch an Familie und Freunde, wie man es immer so schön sagt!

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